Chichén Itzá, Palenque, Mexiko


Nachdem wir das Inselleben auf Isla Mujeres schweren Herzens verlassen haben, machten wir uns auf den Weg zu einem der neuen sieben Weltwunder: Chichén Itzá. Nach Machu Picchu, Tikal und Tulum war unser Ruinen-Sinn schon geschaerft und wir gespannt, was uns erwarten wird. Anfangs waren wir auch recht begeistert: Unser Guía erzaehlte uns viel ueber die einzelnen Gebaeude, es war noch angenehm heiß und nicht so viel los. Besonders die große typische Pyramide (castillo) ist sehr interessant. Die Maya sind ja bekannt dafuer, dass sie schon in der damaligen Zeit sehr fortschrittlich im Bereich der Mathematik und Astronomie waren. Und so haben wir erfahren, dass ein Maya-Jahr 365 Tage hat, die in 18 Monate à 20 Tage eingeteilt sind plus ein Monat mit 5 Tagen, die allerdings Pech bringen. Wer in der Zeit (= Anfang August) geboren wird, wird ein unglueckliches Leben haben… Auf jeden Fall macht jeder Teil des Castillos (s. rechts) Sinn:

– Die vier Seiten sind alle gleich aufgebaut und haben genau 90 Stufen. Zusaetzlich gibt es fuenf Hyroglyphen oben auf der Pyramide: 4 x 90 + 5 = 365 (Tage des Jahres).

– Dann hat jede Seite seitlich der Stufen 9 Ebenen, also jeweils 2 x 9 = 18 (Monate pro Jahr)

– Auf den Ebenen sind einzelne Bloecke zu sehen. Die unteren 8 Ebenen haben 3 und die oberste Ebene 2 Bloecke: 8×3 +  1×2 = 26 Bloecke. Da auf beiden Seiten der Stufen die Ebenen sind: 2 x 26 = 52 : So viele Jahre dauert eine Kalender-Periode der Maya.

Uns wurde noch mehr ueber das Castillo erzaehlt und es ist auch alles logisch, aber nachdem wir eine ¾ Stunde davor standen und unser Guía wild mit Zahlen rumhantiert hatte, wollte unser hitzegeplagtes Gehirn die ganzen Sonnen-, Mond- und Jahreszahlen nicht mehr speichern. Ich koennte mir aber gut vorstellen, dass ich mir ein Buch kaufe und alles nachlese, weil es schon sehr spannend war.

Was gab es dort noch zu sehe? Reichlich durch Reliefs dekorierte Totenkopf-, Jaguar-, Kriegertempel, ein Observatorium und einen Ballspielplatz, wo frueher Mayakaempfer gegeneinander antraten. Der Gewinner (!) durfte im Anschluss geopfert werden, was für ihn eine große Ehre darstellte!

Insgesamt haben wir sehr viel Interessantes ueber diese alte Ruinenstadt erfahren und mal wieder kann man staunen, wie es einem Volk, das vor zig Jahrhunderten gelebt hatte, gelungen ist, eine so riesige Stadt mit diesen astronomischen und kuenstlerischen Details zu errichten. Unsere Euphorie senkte sich allerdings deutlich, als wir merkten, dass sich das ganze Areal von Chichén Itzá gegen 12Uhr mittags in einen reinen touribevoelkerten Jahrmarkt verwandelt hatte. Mittlerweile waren naemlich die Touribus aus Cancún angekommen, durch die gefuehlte 10.000 Amis ploetzlich hereinschwappten. Außerdem hatten sich an jeder (wirklich jeder) Ecke fliegende Haendler versammelt, die jedem versprachen, dass alles „casi gratis, almost free“ waere und einem für Spanischkenntnisse doch einen Extrapreis machen wuerden. Wenn das allerdings ALLE sagen und man ungelogen alle 10Sekunden angesprochen wird, ob man nicht doch ein schicken Chichén Itzá-T-Shirt oder irgendwelche glitzernde Wanddeko haben moechte, dann wundert man sich doch irgendwann. Gekauft haben wir natuerlich trotzdem was;-), es gab auch ein paar schoene Sachen. Aber verglichen mit den bisherigen Ruinen, wo bisher wirklich die Ruinen im Vordergrund standen (auf Machu Picchu gibt’s bspw. weder Trinken, Deko noch Toiletten), hat uns Chichén Itzá in dieser Hinsicht ein wenig enttaeuscht.

Weiter ging es im (mal wieder) unterkühlten Über-Nacht-Express nach Palenque, in die regenreichste Stadt Mexikos…hm, nach einigen Wochen Sonne und Karibik pur, klingt diese Beschreibung erst einmal nicht sonderlich verlockend. Aber von Leuten, die wir getroffen hatten, haben wir gehört, dass die Maya-Ruinen dort ganz, ganz toll sein sollten! Nach dem interessanten, dennoch überlaufenen Chichén Itzá, waren wir also gespannt, ob Palenque wieder ein bisschen weniger touristisch sein würde. Und so war es auch: Es war erstaunlich wenig los, es hat erstaunlich wenig geregnet und es war erstaunlich schön. Wir haben etwas abseits der Stadt mitten im Regenwald bei „Margarita y Ed“ übernachtet, die uns ein paar interessante Ausflüge empfohlen haben: Wasserfälle und die Ruinen von Palenque waren das Ergebnis. Eine Regenwaldtour sollte eigentlich auch noch stattfinden, aber 1. war die morgens um 7Uhr… und 2. hatte es die Nacht so extrem geschüttet, dass wir kletschnass geworden wären. Und bei der Luftfeuchtigkeit trocknen die Klamotten ja eh nicht…

Am Dienstag ging es also zu zwei Wasserfällen. Der erste, Misol-Ha, war eine halbe Stunde von Palenque entfernt, ca. 30m hoch, sehr wasserreich und laut. Sehr schön war, dass wir recht früh morgens da waren und die Sonne gerade über dem Wasserfall emporstieg. Man konnte auch hinter die Wasserwand gehen, was Markus auch getan hat und komplett nass wieder hervorkam. Gut, dass wir noch weiter mussten;-)… Die zweiten Wasserfälle hießen „Agua Azul“ und sind, wie der Name verrät, bekannt für ihr blaues Wasser. ABER: Wir waren in der Regenzeit da und da es anscheinend die Tage zuvor ordentlich geregnet hatte, war das türkisblaue Wasser einer braunen Brühe gewichen, die sogar bis auf den normalen Gehweg kam. Über mehrere Kilometer erstrecken sich diese vielen Wasserfälle, die durch die Größe und ihre Wucht schon beeindruckend waren. Zwischen einzelnen Kaskaden, an den…ähm…“ruhigeren“ Stellen, sagten Schilder übrigens, dass man dort auch baden könnte…aber seht euch die Strömungen auf dem Bild selbst an, da wäre aus der Bademöglichkeit schnell eine ideale Wasserfall-Rutschpartie geworden, Überlebensgarantie nicht inklusive. Naja, eigentlich war es schon schön, nur leider nicht ganz das, was wir erwartet hatten.

Am Mittwoch haben wir uns dann die Ruinen von Palenque angeschaut. Ursprünglich hieß die Maya-Stadt Lakam Ha, was so viel wie „viel Wasser“ bedeutet. Erst durch die Spanier entstand der heutige Name Palenque. Unser Guía Erick hat uns ganz viel über die verschiedenen Herrscher, die Größe und die Geschichte der Stadt erzählt. Bspw. wurden bisher erst 2% des gesamten Stadtareals ausgegraben, nur die wichtigsten Gebäude, wie der Palast, der Tempel der Inschriften (s. links) und verschiedene andere Tempel, ein Wachturm,  Grabstätten etc. Die restlichen 98%, in denen einst das normale Fußvolk lebte, sind also weiterhin erstmal verschollen, bis die mexikanische Regierung oder ausländische Unterstützer die nächsten Ausgrabungen fördern werden…

Am gleichen Tag abends sind wir auf einer Nachtfahrt nach Mexiko-Stadt gefahren. Nachdem wir morgens und mittags noch den Zócalo/Hauptplatz, die Kathedrale und ein paar Nebenstraßen dieser riiiiesigen Stadt erkundet haben, hieß es für Markus und mich abends: Adiós México und es ging zurück nach Alemania. Manja ist noch zwei Tage länger geblieben, bis es auch für sie mit leider 10stündiger Verspätung wieder nach Frankfurt ging.

Tja, und nun sind wir wieder alle in Deutschland und sind begeistert von dem, was wir gesehen, erlebt, gegessen, getrunken, erfahren, gefühlt und gelernt haben. Mal schauen, wann es wieder soweit ist, denn eines steht fest: Lateinamerika hat uns nicht zum letzten Mal gesehen!

Veröffentlicht am 19/09/2011, in Uncategorized. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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